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Ein Traum von Amerika (2002)

Länge: 84 / 56 Minuten
Format: DV / Digital Betacam
Sprachfassungen: deutsch, englisch









Synopsis

1955. Wulf, Sohn eines Bauern im hessischen Odenwald, macht sich auf den Weg, um in der Neuen Welt sein Glück zu suchen. Auf dem winzigen Hof des Vaters ist kein Platz für ihn. Das Schiff bringt ihn von Bremerhaven nach New York. Im Herzen hat er einen Traum: irgendwann seine eigene Farm zu besitzen. In der Tasche hat er wenig mehr als ein paar Pfennige. Sein Leben in der neuen Welt beginnt er als Schafshirt auf einer Wüstenfarm in Idaho.


Die Jahre vergehen. Wulf kauft sein erstes Land: 120 Hektar Dornbuschsteppe in der 'Big Old Desert'. Wulf, seine Frau Carol und die 6 Kinder roden das Gestrüpp, sammeln ungezählte Steine, verlegen Bewässerungsanlagen. Die Kinder wachsen, die Farm wächst. Wulfs Traum von Amerika scheint in Erfüllung zu gehen.

1997. Wulf ist stolzer Besitzer einer 1200 Hektar Farm, die er mit seinen Söhnen Chris und Brian bewirtschaftet. Doch dunkle Wolken brauen sich über der Farm zusammen. Mit einer Welle von Firmenfusionen bricht die Globalisierung über Idahos heile Welt herein.

Multinationale Foodkonzerne machen sich breit; kaufen die lokalen Pommesfabriken, Getreidemühlen und Schlachthöfe; bilden Marktkartelle. Immer tiefer sinken die Preise für Wulfs Produkte. Ob Weizen, Kartoffeln, Schafe oder Heu - nichts deckt mehr die Produktionskosten.

Der Film begleitet Wulf in den dramatischen Jahren 1997-2001.
Wird es ihm gelingen, seinen Traum von Amerika zu retten?



Irgendwo in Idaho (Süddeutsche Zeitung, 24.6.2002)
Schnee liegt auf den Bergkuppen hinten am Horizont. Blauer Himmel spannt sich über das flache, weite Land am Fuß der Berge. Ein Truck zieht eine Staubfahne hinter sich her, Männer in Jeans und karierten Hemden treiben Rinder zusammen. Irgendwo in Idaho, mitten in Amerika. Alles so, wie man es sich vorstellt.

Wulf Lebrecht kam 1955 nach Idaho. Mit 21 hatte er den Hof seiner Eltern in einem kleinen Dorf in Hessen verlassen, war mit dem Zug nach Bremerhaven gefahren und von dort mit dem Schiff nach New York City.

Ein Freund, der bereits nach Idaho ausgewandert war, hatte ihm geschrieben, dass man dort sein Glück machen könne, Grund und Boden kaufen, Farmer werden. Und da der winzige Hof seiner Eltern ihn nicht würde miternähren können, reiste Wulf Lebrecht nach Idaho. Zwei, drei Jahre wollte er bleiben.

Über vierzig sind mittlerweile daraus geworden. Wulf hat seine Farm, sechs Kinder, zwölf Enkel, 1200 Hektar Ackerland. Seine Lebensgeschichte war mal lange Jahre ein Traum von Amerika, wie die Dokumentarfilmer Christoph Corves und Delia Castiñeira ihren Film über

den deutschen Auswanderer nennen. Dass Wulfs Traum keiner mehr ist, liegt an der Globalisierung: Multinationale Food-Konzerne haben sich in Idaho breit gemacht und die lokalen Getreidemühlen, Schlachthöfe und Pommes-frites-Fabriken aufgekauft. Mit Kartoffeln konnte man mal Millionär werden, erzählen Wulf und seine Nachbarn. Heute erlösen sie im Verkauf nur ein Fünftel dessen, was ihr Anbau kostet. In großen Lagerhallen liegen sie zum Teil monatelang – am Ende müssen die Farmer sie vernichten. Auch Weizen, Gerste, Schafe, Heu – in Idaho ist damit kein Geld mehr zu verdienen.


Vier Jahre lang haben Corves und Castiñeira die Anstrengungen Wulfs und seiner beiden Söhne verfolgt, die Farm zu retten. Schnell habe sie Freundschaft mit diesen Menschen verbunden, sagen sie, und man merkt das ihrem Film an: Die Lebrechts erzählen vor der Kamera so, wie sie miteinander am Abendbrottisch reden; sie teilen mit den Filmemachern alle Momente zwischen Zuversicht und Resignation. „Er ist ein zäher, alter Knochen“, sagt Chris über seinen Vater, „und es tut weh mitanzusehen, dass er nun, mit 65, alles verlieren kann.“ Dennoch gehen sie jeden Tag wieder an die Arbeit, Farmer hofften immer, sagen Vater und Sohn, auf ein besseres nächstes Jahr.

Es ist ein sehr bewegendes Porträt, das den beiden Autoren hier gelungen ist. Vielleicht liegt es daran, dass in unseren Gefilden Lebensträume wie die des Farmers Wulf Lebrecht selten sind, ebenso wie Menschen, die sich einer Sache so sehr verschreiben. Die Kraft der beinahe anderthalbstündigen Dokumentation liegt vor allem in ihrer Hauptperson: In Wulfs zerfurchtem, sonnenverbranntem Gesicht.

Ganz zum Schluss, es ist Frühjahr und es ist bereits ausgesät, sitzt er in seinem Truck und berichtet, dass die Bank ihm keinen weiteren Kredit geben wird.

Er kann die Wasserpumpen nicht einschalten, ohne die seine Saat in wenigen Tagen verderben wird. Und er raucht da in seinem Auto eine Zigarette und sagt ganz ohne Bitterkeit: „Es ist nicht leicht, alles aufzugeben nach 40 Jahren. Aber ich wollte einfach Farmer sein“.

CHRISTIANE KÖGEL






Team

Buch und Regie: Christoph Corves, Delia Castineira
Kamera: Christoph Corves
Musik: Titus Vollmer
Schnitt: Delia Castineira, Christoph Corves
Editing Supervisor: Niels Pagh Anderson

Gefördert von: Kulturelle Filmförderung Schleswig-Holstein, MSH Gesellschaft zur Förderung audiovisueller Werke in Schleswig-Holstein mbH

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